Sep 212010
 

“Drohender Ärztemangel” ist eines der geflügelten Worte der Ärzteschaft im Kampf gegen die politische Ausblutung des ärztlichen Berufes. Obwohl man nicht behaupten könnte, dass diese Worte auf komplett taube Ohren stoßen, ist ein effektives Heilmittel bis jetzt noch nicht gefunden. Kürzlich diskutierte Maßnahmen wie das Streichen des Numerus Clausus auf Medizin-Studienplätze erscheinen zweifelhaft und werfen völlig neue Probleme auf – wohin mit all den Studenten in den ohnehin schon überfüllten Hörsälen? Darüber hinaus packt es das Problem nicht bei der Wurzel: Es gibt nicht zu wenig junge Menschen die Medizin studieren dürfen oder wollen, sondern zu wenig, die Arzt werden möchten.

Ein heute in der Ärztezeitung erschienener Bericht beschreibt das Szenario erneut nicht als vage Theorie, sondern als konkret sich zusammenbrauendes Problem: Nur noch 38 % der Medizinstudenten können sich vorstellen, hausärztlich tätig zu werden. Andere werden von der Bürokratie, dem nicht ausreichenden Verdienst und der Regressgefahr abgeschreckt.

Link zum Artikel “Alles – bloss nicht Hausarzt!”

Vielleicht wachsen diese Studenten aber auch in eine Welt hinein, in der die Arbeit am Patienten schon nur noch einen Teilaspekt ihres Berufes darstellt. England macht es vor: Dort kommen telemedizinische Apparaturen jetzt schon so weit zum Einsatz, dass nach einmaliger Konsultation durch den Arzt die Weiterbehandlung online erfolgt, sofern keine Komplikationen auftreten. Auszug aus einem Bericht von heise.de:

Großbritannien ist hier weiter: Dort gibt es mittlerweile auch rein virtuelle Praxen wie [extern] Dr. Thom, in denen registrierte Ärzte nicht nur online diagnostizieren, sondern auch Medikamente verschreiben dürfen. Ausgenommen von dieser Erlaubnis sind lediglich Arzneimittel, die leicht abhängig machen. Beaufsichtigt werden die virtuellen Praxen von der [extern] Care Quality Commission, die Patienten als Ansprechpartner für Kritik zur Verfügung steht. Deuten die Symptome auf eine ernstere Erkrankung hin, so sind die virtuellen Praxen allerdings angehalten, die Patienten an Kollegen zu verweisen, bei denen sie persönlich vorstellig werden.

Link zum Bericht

Die Nutzung moderner Telekommunikation in Arztpraxen ist auch heute schon nicht nur naheliegend, sondern auch notwendig. Trotzdem scheuen viele ärztliche Kollegen noch das Erlernen der neuen Technik und haben Angst, Daten aus ihrer Praxis auf die Datenhighways zu schicken. Die technische Entwicklung – sei sie nun politisch gewollt oder den Erfordernissen der Patienten geschuldet – wird aber vor Arztpraxen nicht halt machen. Die Studenten, die heute noch an den Unis Medizin lernen, werden in ein paar Jahren einen Beruf vorfinden, in dem technische Unterstützung bei Konsultation und ärztlicher Kommunikation ganz normal ist.

Diese Entwicklung ist an sich also erstmal weder gut noch schlecht – sondern einfach unvermeidlich.

Apr 122010
 

In der Studie “Health Cast – Individualisierung des Gesundheitswesens” kommt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG zu dem Schluß, dass die Gesundheitssysteme der Industrienationen vor einer grundsätzlichen Neuausrichtung stehen, in der die individuellen Bedürfnisse des Patienten im Mittelpunkt stehen. Als Motoren dieser Entwicklung werden die Zunahme chronischer Erkrankungen sowie der Einzug des Internets in den Großteil der Privathaushalte genannt.

Für die Studie wurden 800 Gesundheitsexperten sowie 3.500 Verbraucher aus Deutschland, den USA und fünf weiteren Ländern befragt.

Die Studie ist hier zum kostenlosen Download verfügbar.

Sep 212009
 

Das Kieler Institut für Mikrodaten-Analyse vermeldet heute, was viele schon täglich am eigenen Leib spüren: Einer aktuellen Studie zufolge ist Schleswig-Holstein der Verlierer der Gesundheitsreform, mehr noch, die Verluste werden auf dem Rücken der Ärzte ausgetragen.

Auszüge aus der Pressemeldung:

(…) Auch bei der Honorarreform kommt ein zentral festgelegter Verteilungsmechanismus zur Anwendung, der zum Beispiel den Vertragsärzten in Berlin ein Honorarplus von 32 % bringt, den Ärzten in Hamburg ein Plus von 14 % und den Ärzten in Niedersachsen ein Plus von 17 %.
Die neueste Studie des IfMDA zeigt, dass sich das Honorarplus für Schleswig-Holstein auf 1,66 % beläuft (Daten für das erste Quartal), ein Minus gegenüber dem Bundesschnitt von mehr als sechs Prozentpunkten.(…)

Weiter heißt es:

(…) Insgesamt zeigt sich für Schleswig-Holstein ein beunruhigendes Bild: Die zunehmende Zahl und Krankheitsschwere der Patienten ist nur ungenügend im neuen Honorarsystem abgebildet, da die zentralstaatliche Regulierung auf (kleine) Bundesländer wie Schleswig-Holstein keine Rücksicht nimmt. Damit ist auch das Solidaritätsprinzip der Gesetzlichen Krankenversicherung als oberstes soziales Ordnungsprinzip verletzt, was es für Bundesländer wie Schleswig-Holstein immer schwieriger macht, eine flächendeckende Versorgung der Patienten ohne Leistungsausschlüsse sicherzustellen.

Sie können die Pressemeldung des IFMDA komplett hier herunterladen.